die ewige jugend

„wir haben die ewige jugend nicht mit löffeln gefressen“, sage ich zu dir. und du sagst: „wieso? ich bin doch in den besten jahren!“ „na eben!“, sage ich, „glaubst du nicht, dass es langsam zeit wird abzutreten?“ „warum denn? man ist doch immer so alt, wie man sich fühlt“, sagst du und ich spüre mein arthrotisches knie. „und wie lange willst du noch jung bleiben? ich meine, was ist denn mit dem erwachsenwerden?“, frage ich. „das kannst du ja übernehmen. ich für meinen teil fühle mich noch genauso jung wie damals!“, antwortest du und ich betrachte lange dein schütteres haar. und ich so: „aha.“ und du so: „solange ich suche, werde ich nicht erwachsen. die sehnsucht treibt einen dazu.“ „soso. dann ist man also erwachsen, wenn man sich gefunden hat?“, will ich wissen. „hab ich das gesagt?“, willst du wissen. „im prinzip schon. die jugend sucht, das alter hat gefunden und gibt sich zufrieden“, sage ich. „so muss es sein“, gibst du mir recht. und ich: „suche hin oder her… aber fühlst du dich nicht alt inmitten der geballten jugend? schau sie dir doch an, die jugend um dich herum. wie sie trinkt und tanzt und posiert. da können wir doch gar nicht mehr mithalten.“ und du… stutzt! „jetzt wo du’s sagst…“, erwiderst du dann. und nach einer weile: „meinst du, wir machen uns lächerlich?“ und ich: „wir haben die ewige jugend eben nicht mit löffeln gefressen.“ du fährst dir mit der hand durch das schüttere haar. „wird wohl langsam zeit, was?“, sagst du. „kann sein“, sage ich, „wer weiß das schon.“

 
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